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Projektplan statt Prokrastination:

  • 14. Aug. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Aug. 2025

So kommst du mit deiner Abschlussarbeit voran ...


Studierende schreibt Abschlussarbeit

Ich erinnere mich noch gut an meine erste wissenschaftliche Abschlussarbeit. Damals hatten wir während des Semesters in einer Arbeitsgruppe bereits einige Textpassagen geschrieben und eine Präsentation zum Thema gehalten. Daraus sollte nun eine Bachelorarbeit werden und ich wusste nicht, wie und wo anfangen oder weitermachen. Die Deadline für die Abgabe in scheinbar weiter Ferne – und doch schwebte sie über mir wie ein Damoklesschwert. Ich war hoch motiviert – zumindest theoretisch.


Praktisch jedoch sortierte ich lieber meine Ordner am Computer, putzte die Wohnung und fand jeden Tag neue, kreative Gründe, nicht zu schreiben. Willkommen in der Welt der Prokrastination.


Wenn du das kennst, bist du nicht allein. Gerade Menschen, die viel denken, gründlich arbeiten und hohe Ansprüche an sich selbst stellen – wie viele Studierende und Wissensarbeiter:innen – sind besonders anfällig dafür, Aufgaben aufzuschieben. Und das ist keineswegs ein Zeichen von Faulheit. Vielmehr ist es oft eine Kombination aus Perfektionismus, Überforderung, fehlender Struktur und innerem Druck.


Aber wie kommst du wieder heraus – aus dieser Spirale?


Wie verwandelst du das lähmende Gefühl des Stillstands in einen klaren, umsetzbaren Fahrplan? Die Antwort lautet: Projektplanung.

Doch bevor du jetzt seufzt und denkst: "Ich will doch schreiben, nicht Projektmanager:in werden!", lass mich dir zeigen, wie ein einfacher Plan dein Leben verändern kann.


Was steckt hinter dem Aufschieben? - Prokrastination verstehen


Bevor wir planen, müssen wir verstehen. Warum schieben wir etwas auf, das uns im Grunde wichtig ist?

In vielen Fällen ist Prokrastination ein Schutzmechanismus. Das Gehirn will unangenehme Gefühle vermeiden – Angst vor dem Scheitern, vor Kritik oder vor Kontrollverlust. Also tut das Gehirn lieber etwas anderes. Etwas, das kurzfristig Belohnung schafft: aufräumen, putzen oder lesen.


Besonders beim Schreiben einer Abschlussarbeit sind die Aufgaben oft diffus: „Ich muss noch Literatur suchen… Ich sollte mal mit dem Theorieteil anfangen… Irgendwann muss ich dann das Fazit schreiben…“

Diese schwammigen To-Do's aktivieren das Gefühl von Kontrollverlust und gleichzeitig verlieren wir damit an Handlungssicherheit. Also flüchten wir uns in Ablenkung.

Die Lösung: Klarheit – Struktur – Planbarkeit.


Der Projektplan: Dein Kompass im wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben


Stell dir dein Projekt wie eine Wanderung oder Reise vor. Ohne Landkarte läufst du vielleicht im Kreis, verlierst Energie und gibst irgendwann auf. Mit Landkarte, Zwischenzielen und ausreichend Proviant weißt du: "Okay, der Weg ist lang – aber machbar."


Ein Projektplan stellt genau diese Landkarte oder den Kompass dar. Er zerlegt dein großes Ziel – die fertige Abschlussarbeit – in überschaubare Etappen. Und er zeigt dir, wie du von A nach B kommst, ohne dich zu verlieren.


So erstellst du deinen wissenschaftlichen Schreib-Projektplan (auch wenn du kein Planungs-Mensch bist)


1. Endziel klären:

Was genau musst du abgeben – und wann?

Ist es eine Bachelorarbeit mit 40 Seiten, eine Masterarbeit mit 80 Seiten oder eine Dissertation mit 200 Seiten?

Schreibe dein Ziel konkret auf:

"Ich reiche meine Masterarbeit mit min. 80 Seiten am 15. November ein."


2. Arbeit in Phasen gliedern:

Ein wissenschaftliches Projekt besteht aus mehreren Phasen:

  • Themenfindung & Eingrenzung – mittels Forschungsfrage entwickeln

  • Literaturrecherche & Literatursichtung

  • Exposé/Konzept & Gliederung erstellen

  • vertiefendes Lesen, analysieren & Schreiben (Kapitel für Kapitel)

  • Erkenntnisgewinn & Verknüpfung von Ergebnissen – dieser Teil überdauert die gesamte Arbeit am Projekt und stellt sich während des Lesens und Schreibens am Thema ein – deshalb ist es so wichtig, dranzubleiben.

  • Überarbeiten & Korrekturlesen

  • Formale Gestaltung & Abgabe


Teile dein Projekt in diese groben Blöcke ein. So bekommst du ein erstes Gefühl für den Gesamtweg.


3. Realistische Zeiteinschätzung:

Jetzt wird es konkret. Wie viel Zeit brauchst du realistisch für jeden Block? Plane dabei großzügig. Denk auch an Puffer für Krankheit, Motivationstiefs oder andere Verpflichtungen.


Tipp: Starte rückwärts.

Rechne vom Abgabetermin zurück: Wenn ich am 15. November abgeben muss, sollte der Text spätestens am 5. November fertig überarbeitet sein. Dann plane von dort aus rückwärts die Projektphasen.


4. Wöchentliche Ziele festlegen:

Nun kannst du in Wochen denken:

  • Woche 1-2: Recherche, Einlesen und Vorbereitung zum Schreiben (Clustering, Mindmapping, Exzerpieren) zum einem ersten Kapitel – das muss nicht das 1. Kapitel sein.

  • Woche 3: Schreiben des vorbereiteten Kapitels (Rohfassung): Absatz für Absatz und Unterkapitel für Unterkapitel.

  • Woche 4: Einlesen und Vorbereitung zum Schreiben für ein weiteres Kapitel.

Und so weiter. Was vorher ein großer unübersichtlicher Brocken war, wird zu kleinen, machbaren Einheiten aufgegliedert.


5. Planungs-Tools nutzen, die zu dir passen: Manche lieben digitale Projektplanungs-Tools wie Trello, Notion oder Excel, andere bevorzugen handschriftliche Pläne im Kalender oder To-do-Listen. Wichtig ist nicht das perfekte System, sondern dein System. Eines, das du gerne nutzt und verstehst.


"Aber ich weiß nicht, wann ich überhaupt schreiben soll…"


Ein häufiger Stolperstein ist: „Ich habe keine Zeit zum Schreiben.“ Die Wahrheit ist oft: Du hast keine eingeplante Zeit.


→ Blocke dir Schreibzeiten wie einen Termin. Plane fixe Zeiten in deinen Kalender ein, z. B. Dienstag & Donnerstag, 18.00 – 20.00 Uhr oder täglich von 05.00 – 06.00 Uhr früh. Und dann behandle diese Termine wie echte Verabredungen – nicht wie „wenn-ich-Zeit-habe“-Ideen.


→ Finde deine produktiven Phasen. Bist du morgens klar im Kopf? Oder läuft dein Gehirn erst abends warm? Nutze deine Chronobiologie. Wenn du weißt, wann du am besten Gedanken und Ideen verarbeitest oder schreibst, kannst du deinen Zeitplan besser justieren.


→ Kurz ist besser als gar nicht! Auch 30 Minuten täglich können mehr bewirken als 5 Stunden alle zwei Wochen. Das Schreiben einer Abschlussarbeit ist kein Marathon, sondern ein serielles Kurzstreckenrennen.


Schreibtechniken für Fokus & Fortschritt


- Pomodoro-Technik 25 Minuten schreiben, 5 Minuten Pause. Das wiederholst du 4 Mal, dann kommt eine längere Pause von min. 30 Minuten.


- Schreibsprints

Setze dir eine Mini-Herausforderung mit selbst gestellten Fragen und schreibe darüber in 20, 30 oder 45 Minuten: "Ich schreibe den Einstieg ins Kapitel." Oder: "Ich schreibe alles runter, ohne zu löschen oder zu streichen." Das aktiviert den "Flow".


- Erfolge sichtbar machen

Hake ab, was du geschafft hast. Streiche erledigte Kapitel im Plan durch. Notiere täglich 1–2 Sätze: z.B. "Heute habe ich Kapitel 2 strukturiert." Diese Mikro-Erfolge summieren sich – und motivieren!


- Setze einen Startimpuls für den nächsten Tag

Schreibe einen Satzbeginn, um am nächsten Tag genau da weiterzuschreiben oder bereite dir ein Kapitel so vor, dass du am nächsten Tag ohne lange zu überlegen oder einzulesen, drauf los schreiben kannst.


Emotionen im Schreibprozess: Normal und steuerbar


Projektplanung ist nicht nur ein Zeitmanagement-Instrument. Es hilft auch, emotionale Klarheit zu schaffen. Wenn du weißt, was zu tun ist, verschwinden ein paar Ängste – sie werden überschaubar. Plötzlich weißt du: "Ich bin auf Kurs!"


Viele meiner Studierenden berichten, dass ihnen ein klarer Plan hilft, innere Zweifel zu beruhigen. Statt "Ich kann das nicht." sagen sie plötzlich: "Ich bin gerade in Woche 3, Kapitel 1 – es läuft!"


Und ja, es wird Momente geben, in denen du zweifelst. Das gehört dazu. Du musst nicht immer motiviert sein. Aber mit einem Plan weißt du, was als Nächstes zu tun ist – auch an schwierigen Tagen.


Was tun bei Rückschlägen oder Planänderungen?


Das Leben ist nicht immer planbar. Es wird Tage geben, an denen nichts läuft. Vielleicht ist es notwendig, dein Thema nochmals zu ändern, vielleicht fällt ein Kapitel weg oder du wirst zwischenzeitlich krank.


Plane Puffer ein. Und: Erlaube dir, deinen Plan anzupassen, statt ihn gleich zu verwerfen. Flexibilität ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Kompetenz.


Und wenn du feststeckst? Sprich mit jemandem. Hol dir Feedback oder einfach mal ein Ohr, das zuhört. Allein das Aussprechen bringt oft schon Klarheit.


Fazit: Klarheit statt Chaos


Ein wissenschaftliches Schreibprojekt ist – wie bereits erwähnt – wie ein Langstreckenlauf. Du brauchst nicht nur Ausdauer, sondern auch Orientierung. Ein Projektplan ist keine Einschränkung – er ist ein Geländer zum Dran-festhalten.

Er schützt dich vor dem "freien Fall" in die Prokrastination und erinnert dich daran: Du hast einen Weg und du gehst ihn.


Wenn du magst, helfe ich dir gerne dabei, genau diesen Weg zu entwickeln – Schritt für Schritt.


Ob du ganz am Anfang stehst oder mitten im Projekt feststeckst: Gemeinsam erstellen wir einen Plan, der zu dir passt – realistisch, entlastend, motivierend.


Denn wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben muss nicht schwer sein. Es darf klar, strukturiert und auch ein bisschen leicht gehen.


Ich freu mich auf dich und lass mir gerne einen Kommentar da.

Viele liebe Grüße,

Evelyn

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